KI-Stammtisch im Kreis Steinfurt zieht über 100 Teilnehmende an

veröffentlicht am 10. Dezember, 2025
DSC05860

Über 100 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter aus dem Kreis Steinfurt und der Region kamen am 4. Dezember 2025 zum 4. KI-Stammtisch der WESt mbH in den Räumlichkeiten der husare GmbH in Emsdetten zusammen. Der KI-Stammtisch der Kreis-Wirtschaftsförderung bietet Unternehmen eine niedrigschwellige Austauschplattform rund um die praktische Anwendung Künstlicher Intelligenz – mit kompakten Impulsvorträgen, Beispielen aus der Praxis und viel Raum für Vernetzung.

Nach der Begrüßung durch Christian Holterhues, Geschäftsführer der WESt mbH, und Gastgeber Mark Bourichter, husare GmbH, standen aktuelle Entwicklungen in der KI-Welt, konkrete Anwendungsszenarien aus dem Marketing, rechtliche Rahmenbedingungen sowie regionale Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt.

„Jeder sollte über KI-Souveränität nachdenken“
Michael Berndt, KI-Übersetzer und Strategieberater für den Mittelstand, gab zunächst einen Überblick über aktuelle KI-Trends und deren Bedeutung für mittelständische Unternehmen. Sein zentrales Anliegen: „Jeder sollte über KI-Souveränität nachdenken“, betonte Berndt. Gemeint ist die Fähigkeit, Chancen und Risiken von KI-Anwendungen zu verstehen, passende Lösungen auszuwählen und diese in die eigenen Prozesse einzubetten.

Bei der Beschreibung aktueller technologischer Entwicklungen legte er ein besonderes Augenmerk auf die Verbindung von KI und Robotik: Standardroboter ließen sich immer schneller programmieren, die Wertschöpfung liege zunehmend in der Software. „Beschäftigen Sie sich mit Robotik, wenn Sie sich mit KI beschäftigen. Die Kunst liegt nicht mehr in der Hardware, sondern in der Software. ‚Roboter as a Service‘ wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.“

KI im Marketingalltag: Vom Hype zur gewinnbringenden, individuellen Anwendung
Im zweiten Impuls zeigte Vincent Wilmink, Expert Digital & Data bei der husare GmbH, wie KI den Arbeitsalltag im Marketing bereits heute verändert – jenseits des Hypes. Anhand konkreter Beispiele aus der Agenturarbeit veranschaulichte er den Einsatz von ChatGPT-Assistenten und n8n-Workflows, etwa für automatisierte Lead-Verifizierung oder die Erstellung und Planung von Social-Media-Inhalten.

„KI versteht nicht – KI berechnet. KI weiß nicht, was stimmt – sie weiß, was oft vorkommt“, brachte Wilmink die Funktionsweise großer Sprachmodelle auf den Punkt. Für Unternehmen bedeute das: Datenqualität, klare Ziele und eine gute Einbettung in Prozesse seien entscheidend. Nur wer das Output der KI gezielt anreichere und Modelle auf die eigenen Anforderungen ausrichte, erziele spürbare Mehrwerte. Sein Fazit: „Wer KI unstrukturiert nutzt, produziert Durchschnitt. Wer KI strategisch nutzt, produziert Vorsprung.“

Rechtlicher Rahmen: KI nutzen – aber richtig
Im Anschluss gaben Nils Möllers und Trutz Böcker (Keyed GmbH) einen kompakten Überblick zu Datenschutz und rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz von KI. Sie warben dafür, rechtliche Fragen nicht nur als Bremse, sondern als Gestaltungsaufgabe zu begreifen.

„Das größte Risiko bei der KI-Nutzung ist, KI nicht zu nutzen“, so Nils Möllers. Unternehmen, die aus Unsicherheit auf den Einsatz von KI verzichten, ließen Chancen ungenutzt und gefährdeten ihre Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend sei, rechtliche Expertise aufzubauen oder darauf zugreifen zu können – sowohl in Bezug auf die KI-Verordnung (AI Act) als auch auf DSGVO und Geschäftsgeheimnisschutz. Die Referenten machten deutlich: Konformität und Innovation schließen sich nicht aus. Wer frühzeitig Strukturen schafft, kann KI-Anwendungen rechtssicher einführen, statt sie aus Vorsicht zu vermeiden.

Datensouveränität vor Ort: Datacenter Münster Osnabrück (DMO)
Zum Abschluss stellten Christoph Stegemann und Tobias Blaauw das entstehende Datacenter Münster Osnabrück vor, das im Januar 2026 in Greven in Betrieb gehen soll. Die beteiligten Partner – unter anderem die items GmbH & Co. KG sowie die Stadtwerke Emsdetten/TKRZ – verfolgen das Ziel, eine regionale, leistungsfähige Infrastruktur für datenintensive und KI-basierte Anwendungen bereitzustellen und so die Datensouveränität in der Region zu stärken.

„Man kann zu seinen Daten hinfahren und sich das ansehen“, beschrieb Blaauw den Vorteil eines regional verankerten Rechenzentrums. Für Unternehmen, die sensible Daten verarbeiten oder kurze Latenzzeiten benötigen, könne dies ein wichtiger Standortfaktor sein. Die teilnehmenden Unternehmen wurden eingeladen, die Infrastruktur vor Ort kennenzulernen und über mögliche Kooperationen nachzudenken.

Austausch, Vernetzung und Ausblick
Christian Holterhues bedankte sich zum Schluss bei den Referenten und bei der husare GmbH für die Gastfreundschaft und die Unterstützung des Formats.

Gastgeber und Referenten des KI-Stammtisches

Im Anschluss nutzten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über eigene Projekte und Fragestellungen auszutauschen. Die Themen reichten von ersten Automatisierungsschritten über internen Schulungsbedarf bis hin zu Kooperationsideen.

Der nächste KI-Stammtisch für Unternehmen im Kreis Steinfurt ist für den 26. Februar 2026 ab 16:00 Uhr geplant. Über Veranstaltungsort und Programm informiert die Kreis-Wirtschaftsförderung rechtzeitig unter https://westmbh.de/.

Teilen Sie den Artikel und empfehlen Sie diesen weiter!

Weitere Archivinhalte