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Wasserstoff ist der Rockstar unter den Energieträgern

veröffentlicht am 5. November, 2020
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Großes Interesse bei der Veranstaltung „Brennstoffzellen und H2 – wo und wie ist der Einsatz in Unternehmen sinnvoll“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „#Chefsache“ die die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH (WESt) gemeinsam mit der Initiative TRAIN anbietet, wurde am vergangenen Dienstag, 03.11., der Einsatz von Brennstoffzellen und Wasserstoff in Unternehmen thematisiert. Prof. Dr. Thomas Schmidt von der FH Münster gab in seinem Impulsvortrag eine Einordnung des Stands der Wasserstofftechnologie. Sebastian Niehoff von der BEN-Tec GmbH in Rheine erläuterte im Anschluss, wie und in welcher Form Wasserstoff und entsprechende Brennstoffzellen im heutigen Alltag angewendet werden können.

Obwohl die Veranstaltung coronabedingt kurzfristig online stattfinden musste, war das Interesse mit über 60 Anmeldungen groß. Ursprünglich war das Gelände der Hellmich GmbH als Ort des Geschehens vorgesehen – dies wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Prof.. Dr.-Ing. Thomas Schmidt vom Fachbereich Energie-Gebäude-Umwelt der FH Münster

Prof. Dr. Schmidt verwies im Rahmen seines Vortrags auf die großen Herausforderungen wie den rasanten Temperaturanstieg, den steigenden Energiebedarf und –verbrauch und die Bedrohung von einer Million Tierarten durch die Umweltveränderungen. Ein Lösungsansatz sei der „green new deal“, der sich am Pariser Klimaschutzabkommen orientiert, mit dem Ziel, dass bis zum Jahr 2050 nicht mehr als 1,5 Grad Temperaturzuwachs zu verzeichnen seien, im Vergleich zum Durchschnittswert Ende des 19. Jahrhunderts. Um diese Ziel zu erreichen, sei das 3fache der Einsparungen erforderlich, so Prof. Schmidt. Es seien alle gefordert, hieran mitzuwirken – nicht nur auf Vorgaben „von oben“. Es gelte, erneuerbare Energien mit entsprechenden Speichermedien zu nutzen. „Der Kreis Steinfurt ist Wasserstoffmobilitätsregion“ erinnert Schmidt die Unternehmen an die Vorreiterrolle des Kreises. Gleichzeitig appelliert er an die Politik, mehr finanzielle Mittel für die Umsetzung zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus müsse der motorisierte Individualverkehr außerstädtisch um 50 % und innerstädtisch um zwei Drittel reduziert sowie Häuser grundsätzlich mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden.

 

Sebastian Niehoff, Wasserstoffpionier und Geschäftsführer der BEN-Tec GmbH, Rheine

Die praktische Gestaltung erläuterte Sebastian Niehoff von der BEN-Tec GmbH. „Wasserstoff ist der Rockstar unter den Energieträgern zitierte er den EU-Klimakommissar Frans Timmermann. „Die Wasserstofftechnologie ist eine Speichertechnologie, die uns den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien ermöglicht. Regelmäßig haben wir eine Überdeckung an regenerativer Energie und zu gleichermaßen eine Unterdeckung. Beispiel: Immer wenn die Stromproduktion durch Photovoltaik in den Sommermonaten in der Nachmittagszeit sehr gut funktioniert, haben wir einen nur sehr geringen Energiebedarf durch z.B. Beleuchtung. In den Wintermonaten benötigen wir mehr Energie (z.B. Beleuchtung), aber die PV Anlage läuft nicht mehr so gut. Die Wasserstofftechnologie kann uns die Möglichkeit bieten, diese Überschüsse zu speichern. Neben Unternehmen setzen auch Schulen, Hotels und private Haushalte zunehmend auf Wasserstoff als Energielieferant. Nicht nur Gebäude, sondern auch Fahrzeuge wie Busse, LKW, Autos und Züge könnten so betrieben werden.“ Dank aktueller Förderprogramme sei der Einsatz von Brennstoffzellen heute wirtschaftlich und amortisiere sich beispielsweise in Neubauten von Mehrfamilienhäusern oder Unternehmen in einem kurzen Zeitraum. Sein Fazit: Wasserstoff ist nicht die Lösung all unserer Energieprobleme, aber der erste Schritt für eine zukunftsfähige Energieversorgung.

 

Für Birgit Neyer, Geschäftsführerin der WESt mbH, die durch die Veranstaltung führte, steht fest, dass zu einer zukunftsfähigen Aufstellung im Unternehmen auch ein nachhaltiges Energiekonzept gehört. Nicht nur für Kunden und Kundinnen, auch zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist das Engagement zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen zunehmend wichtig. Darüber hinaus ist regenerative Energie – auch über Wasserstoff hinaus – ein riesiger Zukunftsmarkt.

WESt-Geschäftsführerin Birgit Neyer moderierte die Veranstaltung

Die Teilnehmer nutzten im Rahmen der Veranstaltung die Gelegenheit, Fragen an die Experten zu stellen. Hier eine Auswahl der per Chat eingereichten Fragen, die Sebastian Niehoff beantwortete:

Gibt es Fördermöglichkeiten?

Ja, an erster Stelle sind hier zu nennen die Förderungen über die KfW mit bis zu 40 % auf das Invest sowie die Fördermöglichkeiten über die BAFA. Es gibt aber auch viele weitere individuelle Programme.

Wie verhält es sich mit der Amortisationsdauer?

Bei Einfamilienhäusern (Neubau) liegen wir z.Z. immer unter 5 Jahren, bei Mehrfamilienhäusern und Unternehmen unter 3 Jahren bis es sich refinanziert – dieses ist ganz klar der momentan guten Fördersituation geschuldet.

 

Rechnet sich diese Technologie auch ohne Zuschüsse?

Wenn die Förderungen ausfallen würden, wäre es noch nicht wirtschaftlich umsetzbar– so ehrlich muss man sein. Es ist aber wirtschaftlich heute dadurch, dass es so gut gefördert wird. Darum muss man auf die richtige Technologie setzen, die langfristig die Chance hat, günstiger zu werden, insbesondere also im mobilen und stationären Bereich

Thema Sicherheit Brennstofftechnologie in Gebäuden – baue ich mir da was Gefährliches ein?

Energie ist – wenn man so will – immer gefährlich. Je mehr Anschlussleistung wir benötigen, desto gefährlicher wird die Energie. Aber bezogen auf ein Einfamilienhaus kann ich nur sagen „Wir schlafen seit 4 Jahren ganz beruhigt auf einer Brennstoffzelle“. Das Erdgas geht rein, wird in einem Reformer zu Wasserstoff umgewandelt, und zwar nur in einem sehr kleinen Teil, nämlich der Teil der aktuell in der Brennstoffzelle benötigt wird; und dies entspricht etwa 1 Kaffeeasse voll. Wenn Sie das anzünden würden, passiert nicht wirklich viel. Dann müsste man sich eher Gedanken um einen Erdgasanschluss generell machen…

Sind in Zukunft Wechselbehältnisse vorgesehen, ähnlich der 11 kg Gasflasche?

Behältnisse gibt es, Wasserstoff in der Industrie ist nichts Neues und wird tagtäglich eingesetzt. Es gibt z.B. 12er Bündelflaschen, pro Flasche 50 l, die kann man sich liefern lassen.

Gibt es bei Fahrzeugen Modelle, die zwischen Pkw und Lkw liegen, also kleine Transporter?

Leider nein, wir suchen auch bereits danach – ist noch eine Nische.

Was würden Sie empfehlen, wenn das Einfamilienhaus keinen Erdgas-Anschluss hat?

Eine Reformer- Variante auf Flüssiggasbasis. Alternativ ein reines Wasserstoffsystem welches nach aktuellem Stand noch unwirtschaftlich ist.

Die Kombination Solar oder Photovoltaik plus Speicherung in Wasserstoff – das rechnet sich nicht?

Hier ist das Invest das größte Problem. Aber hierzu hat sich ja die Fa. Enapter demnächst in Saerbeck entsprechende Ziele gesetzt – wir sind diesbezüglich in regelmäßigem Austausch.

 

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